Grundlagen

Cashflow-Rechnung in der Schweiz: Direkte und indirekte Methode

Der Cashflow beschreibt den Geldfluss in ein Unternehmen hinein und wieder heraus – bezogen auf einen Monat, ein Quartal oder ein Geschäftsjahr.

Cashflow und Gewinn: zwei verschiedene Grössen

Der Cashflow beschreibt den Geldfluss in ein Unternehmen hinein und wieder heraus – bezogen auf einen Monat, ein Quartal oder ein Geschäftsjahr. Er ist der Nettobetrag an liquiden Mitteln und Geldäquivalenten, der sich in diesem Zeitraum bewegt hat. Der Gewinn ist dagegen eine buchhalterische Grösse: die Differenz aus Erträgen und Aufwendungen. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Der Cashflow zeigt die reale Liquidität, also die Fähigkeit, Löhne, Lieferanten und laufende Ausgaben pünktlich zu bezahlen.

Die Lücke entsteht durch die Periodenabgrenzung: Umsätze werden erfasst, sobald sie realisiert sind, nicht erst beim Geldeingang; Aufwendungen werden oft gebucht, bevor die zugehörigen Auszahlungen anfallen. Ein Betrieb, der mehrere grössere Kundenaufträge abgeschlossen hat, weist deshalb einen Jahresüberschuss aus, obwohl ein wesentlicher Teil des Betrags noch in offenen Forderungen steckt. Dann kann das Geld fehlen, um Löhne oder Lieferanten pünktlich zu bezahlen. Für die Planung gilt: das ausgewiesene Ergebnis dem tatsächlichen Forderungsbestand samt Zahlungsfristen gegenüberstellen und prüfen, ob die daraus fliessenden Eingänge die fälligen Löhne und Lieferantenrechnungen decken.

Ein positiver Cashflow bedeutet, dass mehr Geld in das Unternehmen fliesst als es verlässt; ein negativer Cashflow zeigt, dass die Auszahlungen die Einzahlungen aus Umsätzen und weiteren Quellen übersteigen. Über einen längeren Zeitraum kann ein anhaltend negativer Cashflow den Geschäftsbetrieb belasten, Investitionen bremsen und die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen erschweren.

Der operative Cashflow als Kernstück der Rechnung

Auf der Einzahlungsseite stehen Zahlungseingänge von Kunden, aufgenommene Kredite, Kapitaleinlagen von Investoren sowie Erlöse aus dem Verkauf von Vermögenswerten. Auf der Auszahlungsseite stehen Löhne, Zahlungen an Lieferanten, Steuern, Investitionen, Kreditrückzahlungen und Dividenden. Damit laufen im Geldfluss sehr unterschiedliche Vorgänge zusammen: das laufende Geschäft, Investitionen in Anlagen und Kapitaltransaktionen mit Banken und Eigentümern.

Für die laufende Zahlungsfähigkeit ist der operative Teil entscheidend. Er umfasst die Zahlungen aus dem eigentlichen Geschäftsbetrieb: Kundeneingänge einerseits, Löhne, Lieferanten und Steuern andererseits. Finanziert ein Betrieb seinen laufenden Aufwand dauerhaft aus eigenen Mitteln, ist sein operativer Cashflow positiv; ist er negativ, ist der Betrieb auf Kredite, Kapitaleinlagen oder die Auflösung von Vermögen angewiesen. Der Investitions- und Finanzierungsteil sagt dagegen mehr über Investitions- und Kapitalpolitik aus als über das Tagesgeschäft.

Die direkte Methode: jede Zahlung einzeln ausgewiesen

Bei der direkten Methode werden die liquiditätswirksamen Aufwände und Erträge gegenübergestellt und der Geldfluss als Saldo ermittelt. So beschreibt es das kantonale Handbuch zum Finanzhaushalt der Gemeinden (Kapitel 20 Geldflussrechnung, Kanton Zürich, 1. Mai 2023). Die Methode listet alle zahlungswirksamen Einzahlungen aus Umsätzen und die zugehörigen Auszahlungen im operativen Bereich einzeln auf.

Der Vorteil ist die Nachvollziehbarkeit: Aus der Aufstellung ist direkt ersichtlich, welche Beträge von Kunden eingegangen sind und wofür sie ausgegeben wurden. Der Preis dafür ist der Erfassungsaufwand. Jede Zahlung muss einer Kategorie zugeordnet werden, was eine sauber geführte Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung mit verlässlicher Kontenzuordnung voraussetzt. Fehlt diese Grundlage, wird die Erstellung der Rechnung rasch arbeitsintensiv.

Die indirekte Methode: vom Ergebnis zum Geldfluss

Die indirekte Methode erfasst nicht jede Zahlung einzeln. Sie geht vom ausgewiesenen Ergebnis der Erfolgsrechnung aus und bereinigt dieses um nicht zahlungswirksame Posten – etwa Abschreibungen und Rückstellungen – sowie um Verschiebungen zwischen den Perioden, die sich in Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten niederschlagen. Das Ergebnis ist der Geldfluss aus operativer Tätigkeit.

Der Erfassungsaufwand ist deutlich kleiner, weil die Zahlen aus der bestehenden Buchhaltung stammen und nicht jede Zahlung neu erfasst werden muss. Dafür ist die Verbindung zu den einzelnen Zahlungsströmen schwächer: Die Aufstellung erklärt die Differenz zwischen Gewinn und Cashflow, zeigt aber nicht, wie viel Geld tatsächlich von Kunden eingegangen und an Lieferanten abgeflossen ist.

Entwicklung des operativen Cashflows: Von der Erfolgsrechnung zur Zahlungsstruktur

  1. 1. AusgangspunktErgebnis aus der Erfolgsrechnung
  2. 2. Anpassung nicht zahlungswirksamer PostenAbschreibungen, Rückstellungen, Gewinne aus Vermögensverkäufen entfernen
  3. 3. Periodenabgrenzung berücksichtigenVeränderungen in Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten einbeziehen
  4. 4. ErgebnisOperativer Cashflow als korrigiertes Ergebnis

Direkt oder indirekt: Aufwand, Aussagekraft und identisches Ergebnis

Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis, also zum gleichen Cashflow. Die direkte Methode ist jedoch erheblich aufwändiger, weil im Prinzip alle Geschäftsfälle erneut angefasst werden müssen.

Für die Wahl gibt es drei Kriterien. Erstens die gewünschte Transparenz: Die direkte Methode zeigt die einzelnen Zahlungen, die indirekte den Übergang vom Ergebnis zum Geldfluss. Zweitens die verfügbaren Daten: Die direkte Methode setzt eine konsequente Zuordnung jeder Zahlung voraus, die indirekte stützt sich auf Erfolgsrechnung und Bilanz. Drittens der Zweck: Für interne Steuerung und Liquiditätsplanung liegt die direkte Aufstellung nahe, weil sie den Zahlungsströmen näher steht; für die externe Berichterstattung genügt oft die indirekte Darstellung, weil sie sich mit geringerem Aufwand aus der bestehenden Rechnung ableiten lässt.

Direkte vs. indirekte Methode: Übersicht über Vor- und Nachteile

Transparenz
Hoch (direkt: einzelne Zahlungen sichtbar; indirekt: nur Differenz zwischen Gewinn und Cashflow)
Erfassungsaufwand
Hoch (direkt); Niedrig (indirekt)
Datenbasis
Konsequente Zuordnung jeder Zahlung nötig (direkt); Erfolgsrechnung und Bilanz ausreichend (indirekt)
Zweck
Interne Steuerung, Liquiditätsplanung (direkt); externe Berichterstattung (indirekt)

Geldflussrechnung in der Schweizer Praxis

Die Geldflussrechnung wird in der Schweiz sowohl in der Unternehmensrechnung als auch im öffentlichen Finanzhaushalt eingesetzt. Ein Beispiel ist das Handbuch zum Finanzhaushalt der Gemeinden des Kantons Zürich: Kapitel 20 (Geldflussrechnung, Stand 1. Mai 2023) beschreibt die direkte Methode, bei der die liquiditätswirksamen Aufwände und Erträge gegenübergestellt und der Geldfluss als Saldo ermittelt wird. Gemeinden, die nach diesem Handbuch arbeiten, weisen ihre Zahlungsströme damit nach dem direkten Verfahren aus.

In Schweizer Abschlüssen können je nach Regelwerk unterschiedliche Darstellungen auftreten. Der Geschäftsbericht 2024 des Kantons Zürich weist darauf hin, dass zwischen dem Einzelabschluss des Universitätsspitals Zürich nach Swiss GAAP FER und dem Konzernabschluss auf Stufe Kanton nach HBR Unterschiede bestehen können. Wer Abschlüsse vergleicht oder konsolidiert, muss deshalb prüfen, nach welchem Regelwerk die Geldflussrechnung erstellt wurde und wie die einzelnen Positionen abgegrenzt sind.

Kernaussagen zur Geldflussrechnung in der Schweiz

Anwendungsbereiche
Unternehmensrechnung und öffentlicher Finanzhaushalt
Vergleichbare Abschlüsse
Einzelabschluss nach Swiss GAAP FER vs. Konzernabschluss nach HBR (Kanton Zürich)

Vom Cashflow zu Free Cashflow und Discounted Cashflow

Auf dem operativen Cashflow bauen weitere Kennzahlen auf, die jeweils eine andere Dimension der finanziellen Lage beleuchten. Der Free Cashflow ist der Mittelüberschuss, der nach Abzug der Investitionen aus dem operativen Geschäft verfügbar bleibt; er zeigt, wie viel Geld für Kreditrückzahlungen, Dividenden oder zusätzliche Investitionen frei wird. Der Discounted Cashflow ermittelt den Barwert künftiger Zahlungsströme, indem erwartete Ein- und Auszahlungen auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst werden; er dient der Bewertung von Projekten und Unternehmen.

Der operative Cashflow beantwortet die Frage der laufenden Zahlungsfähigkeit, der Free Cashflow die Frage, ob das Geschäft seine Investitionen und Ausschüttungen selbst finanzieren kann, und der Discounted Cashflow die Frage nach dem Wert künftiger Zahlungsströme. Nebeneinander gestellt zeigen sie, ob ein positives Ergebnis auch tatsächlich Geld bringt und ob dieses Geld für Investitionen und Kapitaldienst reicht.

Wichtige Kennzahlen auf Basis des operativen Cashflows

  1. Free CashflowOperativer Cashflow minus Investitionen; zeigt freies Mittel für Kreditrückzahlungen oder Ausschüttungen
  2. Discounted CashflowBarwert künftiger Zahlungsströme; dient der Bewertung von Projekten und Unternehmen

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