
Grundlagen
Liquiditätsplanung in Schweizer Unternehmen: Instrumente, Rhythmus und Reserven
Liquidität ist für ein Unternehmen überlebenswichtig – ähnlich wie die Atmung für den menschlichen Körper, wie die Treuhandgesellschaft core-partner formuliert.
Ausgangslage: Zahlungsfähigkeit als Pflicht des Verwaltungsrats
Liquidität ist für ein Unternehmen überlebenswichtig – ähnlich wie die Atmung für den menschlichen Körper, wie die Treuhandgesellschaft core-partner formuliert. Reicht sie nicht aus, gerät ein Betrieb in finanzielle Engpässe, im schlimmsten Fall bis zur Zahlungsunfähigkeit oder zum Konkurs. In der Schweiz ist die Überwachung der Zahlungsfähigkeit keine freiwillige Führungsaufgabe, sondern gesetzliche Pflicht: Gemäss Art. 725 des Obligationenrechts (OR) muss der Verwaltungsrat die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft überwachen. Droht die Gesellschaft zahlungsunfähig zu werden, hat der Verwaltungsrat Massnahmen zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit zu ergreifen (Quelle: core-partner.ch).
Daraus folgt ein doppelter Anspruch: Die aktuelle Zahlungsfähigkeit ist im Blick zu behalten, und Entwicklungen sind vorauszusehen. Wichtiger als die Rückschau ist deshalb die Vorausschau in Form der Liquiditätsplanung. Die Geldflussrechnung (Cash-Flow-Statement) zeigt über einen Zeitraum, welche Liquiditätsströme tatsächlich aus betrieblicher Tätigkeit, aus Investitionen und aus Finanzierungen fliessen. In der Schweiz ist sie neben Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang für die meisten KMU-Gesellschaften nicht obligatorisch, wird aber auch für KMU empfohlen; sie lässt sich manuell erstellen und ist nicht sehr aufwendig (Quelle: core-partner.ch).
Liquiditätsplanung wirkt über die reine Compliance hinaus. Wer Verbindlichkeiten fristgerecht bezahlt, schafft Vertrauen bei Lieferanten, Mitarbeitern, Investoren und Gläubigern, weil dies die finanzielle Stabilität und Zuverlässigkeit des Unternehmens unterstreicht. Besonders wichtig ist die Planung bei eher knapper Liquidität: Sie kann die Zahlungsfähigkeit sicherstellen und Liquiditätsengpässe frühzeitig sichtbar machen, damit rechtzeitig Massnahmen ergriffen werden können (Quelle: core-partner.ch).
Instrumente: Von Excel über Software bis Cash Pooling
Für einfache Verhältnisse bieten E-Banking-Plattformen vieler Banken heute eine pragmatische Möglichkeit der Liquiditätsplanung. Wo das nicht genügt, empfehlen sich Excel-Versionen oder spezialisierte Software-Tools (Quelle: core-partner.ch). Die Wahl des Instruments sollte sich am Umfang der Zahlungsströme, an der Zahl der Bankbeziehungen und daran orientieren, wie häufig die Planung aktualisiert werden muss.
Excel ist weit verbreitet und flexibel, stösst bei der effizienten und präzisen Verwaltung der Finanzen aber schnell an Grenzen. tresio.ch nennt als Hauptprobleme die Fehleranfälligkeit – manuelle Eingaben und komplexe Formeln machen das Modell störanfällig, ein Tippfehler oder eine falsche Formel kann zu erheblichen Abweichungen in den Finanzprognosen führen – sowie die fehlende Automatisierung: Excel bietet keine automatische Datenaktualisierung und keine Integration mit anderen Finanzsystemen; alle Daten müssen manuell eingegeben und aktualisiert werden, was zeitaufwendig ist und die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht (Quelle: tresio.ch).
Spezialisierte Softwarelösungen setzen genau dort an. Sie bieten weit mehr als die blosse Nachverfolgung von Ein- und Auszahlungen: detaillierte Szenarioplanung, automatische Updates und die Integration mit anderen wichtigen Tools wie Buchhaltungssoftware. So können Unternehmen proaktiv auf finanzielle Herausforderungen reagieren und fundierte Entscheidungen treffen (Quelle: tresio.ch).
Bei mehreren Bankbeziehungen oder Gesellschaften kommt als Instrument des Liquiditätsmanagements das Cash Pooling hinzu. Damit lässt sich die Liquidität bank- und firmenübergreifend effizienter steuern, indem Überziehungszinsen vermieden und Zinserträge durch gebündelte Anlagen besser ausgenutzt werden (Quelle: core-partner.ch).
Vergleich von Excel und spezialisierter Software für die Liquiditätsplanung
- Automatische Datenaktualisierung
- Nicht vorhanden bei Excel
- Integration mit Buchhaltungssoftware
- Eingeschränkt oder nicht möglich bei Excel
- Fehleranfälligkeit
- Hoch aufgrund manueller Eingaben und komplexer Formeln
- Szenarioplanung
- Nur eingeschränkt möglich in Excel
Vorteile und Nachteile von Cash Pooling im Schweizer Unternehmensumfeld
- VorteileEffizientere Steuerung der Liquidität über mehrere Bankkonten und Gesellschaften; Verminderung von Überziehungszinsen; bessere Nutzung von Zinserträgen durch gebündelte Anlagen
- NachteileKomplexere Organisation und Koordination zwischen Gesellschaften; mögliche rechtliche und steuerliche Hürden bei grenzüberschreitenden Strukturen
Rhythmus: Kontinuierliche Planung statt einmaliger Akt
Liquiditätsplanung ist keine Übung, die einmal jährlich im Rahmen des Abschlusses erledigt wird. Ohne genaue und kontinuierliche Überwachung der Cashflows können Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die ihre Existenz bedrohen (Quelle: tresio.ch). Der Nutzen entsteht aus der Regelmässigkeit: Engpässe zeigen sich nur, wenn die Zahlen laufend nachgeführt werden.
Mit Software lässt sich der Aufwand für diese laufende Aktualisierung deutlich reduzieren. Automatische Updates und die Anbindung an die Buchhaltung sorgen dafür, dass die Planung nicht bei jeder Anpassung von Hand neu aufgebaut werden muss (Quelle: tresio.ch). Wer mit Tabellen arbeitet, hat entsprechend höheren Pflegeaufwand und eine grössere Fehleranfälligkeit (Quelle: tresio.ch).
Der Rhythmus ist auch eine Frage der Organisation. Die alltäglichen operativen Herausforderungen eines KMU sind vielfältig und füllen die Agenda; Zeitfenster für systematische Planungsarbeiten mit Zielsetzungen sollten deshalb unbedingt reserviert werden. Planung ist ein langfristiger Erfolgsfaktor (Quelle: core-partner.ch). Wer feste Zeitfenster einplant, verhindert, dass die Planung durch das Tagesgeschäft verdrängt wird – und kann Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen, um rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen (Quelle: core-partner.ch).
Reserven: Liquiditätspuffer für unvorhergesehene Ausgaben
Eine effiziente Liquiditätsplanung ermöglicht es Unternehmen, ihre finanzielle Stabilität zu sichern, unvorhergesehene Ausgaben zu bewältigen und Wachstumschancen zu nutzen (Quelle: tresio.ch). Der Puffer ist dabei kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Betrieb auch bei unerwarteten Zahlungen handlungsfähig bleibt und seine fälligen Verbindlichkeiten fristgerecht begleichen kann.
Reserven haben aber auch eine Ertragsseite. Unternehmen mit ausreichender Liquidität können mit einer Planung ihre liquiden Mittel effizient einsetzen, um beispielsweise Zinskosten zu minimieren, Investitionen zu tätigen oder Wachstumschancen zu nutzen (Quelle: core-partner.ch). Überschüssige Mittel, die nicht kurzfristig benötigt werden, lassen sich also gezielt einsetzen, statt ungenutzt auf Konten zu liegen – vorausgesetzt, der jederzeit verfügbare Teil der Mittel bleibt ausreichend gross.
In der Praxis heisst das: Der Liquiditätspuffer sollte aus der Planung selbst abgeleitet werden. Wer seine erwarteten Ein- und Auszahlungen kennt, kann abschätzen, welche Mittel kurz- und mittelfristig gebunden sind und welcher Teil für unvorhergesehene Ausgaben oder Investitionen frei bleibt. Bei knapper Liquidität ist die Planung von grosser Bedeutung, weil sie die Zahlungsfähigkeit sicherstellen und Engpässe frühzeitig erkennen lässt (Quelle: core-partner.ch).
Schritte zur Erstellung eines Liquiditätspuffers
- Erfassung erwarteter Ein- und Auszahlungen
- Abgrenzung kurz- und mittelfristig gebundener Mittel
- Identifikation von freien Mitteln für unvorhergesehene Ausgaben
- Festlegung des Puffers basierend auf Planungsergebnissen
Regulierte Finanzinstitute: Zusätzliche Vorgaben von FINMA und SNB
Für Banken und Wertpapierhäuser gelten über die betriebswirtschaftliche Planung hinaus besondere aufsichtsrechtliche Anforderungen. Die FINMA überwacht, ob beaufsichtigte Banken und Wertpapierhäuser die Bewilligungsvoraussetzungen dauerhaft einhalten. Die Anforderungen ergeben sich aus geltenden Gesetzen, Verordnungen und Rundschreiben; zur Einhaltung der Bewilligungsvoraussetzungen müssen Banken und Wertpapierhäuser die Vorgaben aus Gesetzen, Verordnungen und FINMA-Rundschreiben dauerhaft erfüllen (Quelle: finma.ch).
Im Bereich der Liquidität steht eine Überführung der Regulierung an: Die FINMA überführt das bestehende Rundschreiben über die Liquiditätsrisiken bei Banken und Wertpapierhäusern in eine neue Verordnung. Die neue FINMA-Verordnung über die Liquidität der Banken und Wertpapierhäuser (LiqV-FINMA) ersetzt das bisherige Rundschreiben 2015/2 «Liquiditätsrisiken – Banken». Die LiqV-FINMA tritt am 1. Januar 2027 in Kraft; das FINMA-Rundschreiben 2015/2 wird zeitgleich aufgehoben. Zur Verordnung führte die FINMA vom 3. Juli 2025 bis zum 29. September 2025 eine Anhörung durch; die Überführung wurde mehrheitlich begrüsst. Die wenigen inhaltlichen Anpassungen betreffen die Informationsbereitstellung bei sich abzeichnenden oder bereits eingetretenen Liquiditätsengpässen sowie die Liquiditäts- und Finanzierungsplanung. Beide Themen werden auf Stufe der bundesrätlichen Liquiditätsverordnung neu aufgenommen, die ebenfalls am 1. Januar 2027 in Kraft tritt; dazu erlässt die FINMA technische Ausführungsbestimmungen (Quelle: finma.ch).
Für die quantitative Umsetzung stellt die FINMA Berechnungsvorlagen zur Verfügung, namentlich Vorlagen zur Liquiditätskennzahl LCR (in den Varianten LCR_G und LCR_GO) sowie zur strukturellen Liquiditätskennzahl NSFR, jeweils als Berechnungsvorlagen zum FINMA-Rundschreiben 2015/2 (Quelle: finma.ch). Institute, die ihre Planung und Berichterstattung darauf abstützen, sollten die anstehenden Änderungen rechtzeitig in ihre Prozesse einbauen.
Flankierend nimmt die Schweizerische Nationalbank (SNB) spezifische Aufgaben wahr. Sie beurteilt die Stabilität des schweizerischen Bankensektors und konzentriert sich dabei insbesondere auf die Grossbank UBS sowie auf die inlandorientierten Banken – eine Kategorie für Banken, bei denen der Anteil der Inlandkredite 50 Prozent der Bilanzsumme übersteigt oder die im inländischen Einlagengeschäft eine prominente Rolle spielen. Die Beurteilung wird im Bericht zur Finanzstabilität dargelegt. Der regulatorische Rahmen auferlegt den für die Schweiz systemrelevanten Banken spezielle Anforderungen in den Bereichen Eigenmittel, Liquidität und Organisationsstruktur; die SNB ist verantwortlich für die Bezeichnung der systemrelevanten Banken und deren systemrelevanter Funktionen. Zudem ist die SNB zuständig für die Überwachung der für das Schweizer Finanzsystem systemisch bedeutsamen Finanzmarktinfrastrukturen und arbeitet hierfür eng mit der FINMA sowie mit ausländischen Aufsichts- und Überwachungsbehörden zusammen. Die in der Schweiz tätigen Banken unterstehen dem Bankengesetz (BankG); detaillierte Regelungen unter anderem zur Liquidität finden sich in der Eigenmittelverordnung (ERV), der Liquiditätsverordnung (LiqV) und der Verordnung über die Banken und Sparkassen (BankV) (Quelle: snb.ch).
Einführung der neuen FINMA-Verordnung über die Liquidität (LiqV-FINMA)
- 3. Juli 2025 – 29. September 2025 — Anhörung zur Überführung des FINMA-Rundschreibens 2015/2 in eine Verordnung
- 1. Januar 2027 — Inkrafttreten der LiqV-FINMA und Aufhebung des FINMA-Rundschreibens 2015/2
Regulatorische Kennzahlen für Banken nach FINMA
- Liquiditätskennzahl LCR (LCR_G)
- Berechnungsvorlage verfügbar
- Liquiditätskennzahl LCR (LCR_GO)
- Berechnungsvorlage verfügbar
- Strukturelle Liquiditätskennzahl NSFR
- Berechnungsvorlage verfügbar
Quellen
- finma.ch/de/ueberwachung/banken-und-wertpapierhaeuser/anforde…
- tresio.ch/blog/2024/05/26/effiziente-liquiditaetsplanung-das-s…
- finma.ch/de/news/2026/07/20260707-mm-liqv-finma
- core-partner.ch/Liquiditaetsplanung
- finma.ch/de
- ubs.com/ch/de/services/guide/impulse/articles/liquidity-plan…
- kpmg.com/ch/de/branchen/banking/finanzmarkt-regulierung/finma…
- snb.ch/de/the-snb/mandates-goals/financial-stability/swiss-…