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Swiss GAAP FER: Grundbegriffe und Anwendung für KMU
Swiss GAAP FER ist für Schweizer KMU eines von mehreren Regelwerken, nicht das einzige.
Was Swiss GAAP FER für Schweizer KMU bedeutet
Swiss GAAP FER ist für Schweizer KMU eines von mehreren Regelwerken, nicht das einzige. Die Hochschule Luzern nennt in ihrem Projekt «Kompetenzaufbau Rechnungslegungsstandards für Schweizer KMU» als auswählbare Regelwerke die Vorschriften des Obligationenrechts, Swiss GAAP FER, IFRS for SME, IFRS und US GAAP. Die Wahl bestimmt, wie detailliert bilanziert, wie umfangreich offengelegt und wie stark Ermessensspielräume dokumentiert werden müssen.
Plattform J hielt am 12. März 2007 fest: «In der Schweiz hat sich der Standard Swiss GAAP FER sehr gut etabliert.» Derselbe Beitrag verweist auf die damals neuste Ausgabe FER 2007 der Fachkommission Swiss GAAP FER.
Für die meisten KMU bleibt die Jahresrechnung nach Obligationenrecht Ausgangspunkt: Sie ist der gesetzliche Rahmen, an dem sich jede weitergehende Rechnungslegung messen lassen muss. Ein Abschluss nach Swiss GAAP FER nützt, wenn Adressaten wie Banken, Investoren, eine Konzernmutter oder ein Käufer mehr Vergleichbarkeit und Transparenz verlangen, als die OR-Rechnung bietet; fehlt dieser Bedarf, entsteht Mehraufwand bei Bilanzierung, Anhang und Dokumentation.
Zahlen zur Anwendung von Swiss GAAP FER in der Schweiz
- Etablierung
- Sehr gut etabliert in der Schweiz
- Verwendung im Verkaufsprozess
- Geprüfte Abschlüsse nach Swiss GAAP FER oder IFRS werden bevorzugt
- Schlankheit im Vergleich zu IFRS
- Deutlich schlanker, aber prinzipienbasiert
Grundbegriffe der KMU-Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER
Gesetzesrecht und Standard sind zu unterscheiden. Das Obligationenrecht ist verbindliche gesetzliche Vorschrift; Swiss GAAP FER, IFRS for SME, IFRS und US GAAP sind von Standardsetzern erlassene Regelwerke – bei Swiss GAAP FER von der Fachkommission Swiss GAAP FER. Ein Regelwerk umfasst alle erlassenen Vorschriften samt zugehörigen Präzisierungen; Auslegungspraxis meint, wie offene Zweifelsfragen in Lehre und Berufspraxis beantwortet werden.
Der Jahresabschluss ist die Rechnung über das Geschäftsjahr; er umfasst neben Bilanz und Erfolgsrechnung weitere Bestandteile wie Anhang und Mittelflussrechnung. Ein geprüfter Abschluss wurde von einer Revisionsstelle geprüft. Prüfung und Rechnungslegung sind getrennte Fragen: Das angewandte Regelwerk sagt nichts darüber, ob und in welcher Tiefe geprüft werden muss.
Auch der Gesetzgeber verwendet die Bezeichnungen: Der Vernehmlassungsbericht des Bundesamts für Justiz vom 2. Dezember 2005 zur Revision des Aktienrechts nennt IFRS, US GAAP und Swiss GAAP FER im Zusammenhang mit Art. 963c; in der Kantonsvernehmlassung erscheinen Swiss GAAP FER oder IAS als Beispiele für Standards, an die angeglichen werden kann.
Vorteile und Nachteile von Swiss GAAP FER für KMU
- VorteilePrinzipienbasiert, schlanker als IFRS, gute Transparenz für Schweizer Adressaten, geeignet für Verkauf und Due Diligence
- NachteileMehraufwand bei Dokumentation und Bewertungsentscheidungen, keine automatische Vorteile gegenüber OR, wenn kein externer Bedarf besteht
Anwendung im KMU: Wahl des passenden Regelwerks
Die Wahl lässt sich mit wenigen Fragen klären: Wer liest den Abschluss und welche Entscheide stützt diese Person darauf (Kreditvergabe, Beteiligung, Kauf)? Besteht eine Konzernrechnungspflicht oder eine Muttergesellschaft, die nach einem anderen Regelwerk konsolidiert? In welchen Märkten ist das Unternehmen tätig? Steht eine Transaktion oder Nachfolgeregelung an? Wie viel interne Kapazität besteht für Bilanzierung und Dokumentation?
Der Verkaufsfall macht die Wahl zum Vorbereitungsthema. Der Leitfaden von Kubera Equity zum Verkauf eines Schweizer KMU im Jahr 2026 nennt als Voraussetzung unter anderem geprüfte Jahresabschlüsse – «SWISS GAAP FER oder IFRS bevorzugt» –, dokumentierte Prozesse und Verfahren sowie gelöste Rechtsstreitigkeiten. Wer einen Verkauf in den nächsten Jahren ernsthaft prüft, klärt den Standard früh, weil die Abschlüsse der Vorjahre dem Käufer als Vergleichsbasis dienen.
IFRS for SME ist die naheliegende Zwischenlösung, wenn internationale Vergleichbarkeit verlangt wird, der volle IFRS-Katalog aber zu aufwändig erscheint. IFRS ist angezeigt, wenn eine kotierte oder nach IFRS konsolidierende Gruppe dies verlangt; US GAAP stellt sich vor allem, wenn eine US-Muttergesellschaft oder ein US-kotierter Konzern konsolidiert. Swiss GAAP FER passt, wo Schweizer Adressaten angesprochen werden und ein prinzipienbasiertes, aber deutlich schlankeres Regelwerk als IFRS genügt.
Swiss GAAP FER im Jahresabschluss und bei geprüften Abschlüssen
Ein Abschluss nach Swiss GAAP FER verlangt, Bilanzierungssachverhalte laufend zu beurteilen und die getroffenen Annahmen nachvollziehbar festzuhalten. Die Arbeitsteilung unterscheidet sich damit von der OR-Rechnung.
Geprüfte Abschlüsse sind bei Transaktionen ein Nachweis. Ein über mehrere Jahre geprüfter Abschluss nach Swiss GAAP FER reduziert Rückfragen in der Due Diligence, weil er vergleichbare und erläuterte Zahlen liefert, die geprüft werden können.
In der Praxis heisst das: Bilanzierungs- und Bewertungsentscheide schriftlich festhalten, die Offenlegungen im Anhang konsequent über die Jahre führen und die Revisionsstelle frühzeitig einbeziehen. So entsteht kein zusätzlicher Aufwand am Jahresende, sondern eine über das Jahr gepflegte Dokumentation.
Auslegung und Praxisnähe
Auslegungsfragen löst die Schweizer Praxis nicht isoliert. In den Folien von Lukas Müller (Universität Zürich, 30. September 2015) zur Buchführungspflicht hält der Autor fest: «Lehre und Praxis orientieren sich für die Auslegung nach IFRS und Swiss GAAP FER.» Wo FER eine Frage offen lässt, lohnt der Blick darauf, wie IFRS denselben Sachverhalt behandelt – als Referenz für eine begründete Lösung, nicht als automatisch übernommene Regel.
Für ein KMU ergibt sich daraus eine einfache Arbeitsweise: Für jede Bilanzierungsposition mit Ermessen wird die gewählte Behandlung mit Begründung und Referenz in einem internen Rechnungslegungshandbuch festgehalten. Das Handbuch hält die Behandlung über die Jahre stabil, macht Abweichungen sichtbar und erlaubt Revisionsstelle, Bank oder Käufer, die Zahlen ohne Rückfragen nachzuvollziehen.
FER 2007 und laufende Entwicklungen
Der Beitrag von Plattform J vom 12. März 2007 nennt die Ausgabe FER 2007 der Fachkommission Swiss GAAP FER die neuste Ausgabe. Derselbe Beitrag hält fest, dass sich Swiss GAAP FER in der Schweiz sehr gut etabliert habe.
Die Jahreskonferenz Swiss GAAP FER informiert laut Fachmagazin «rechnungswesen & controlling» (Ausgabe 3/2018) über aktuelle Themen der Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER, über Neuerungen und über laufende Projekte der Fachkommission. Für ein KMU heisst das: Vor dem Abschluss ist zu prüfen, welche Fassung des Regelwerks gilt und ob Änderungen den eigenen Abschluss betreffen.
Praktische Folge: Wer nach Swiss GAAP FER abschliesst, prüft Anpassungen frühzeitig auf ihre Wirkung auf Anhang, Kennzahlen und Kreditverträge und dokumentiert die getroffenen Entscheide, damit die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren erhalten bleibt.
Entwicklung und Etablierung von Swiss GAAP FER in der Schweiz
- März 2007Einführung der Ausgabe FER 2007 durch die Fachkommission Swiss GAAP FER; Plattform J stellt fest: «sehr gut etabliert»
- September 2015Folien von Lukas Müller (UZH) zur Buchführungspflicht – Lehre und Praxis orientieren sich an Swiss GAAP FER und IFRS
- 2018Jahreskonferenz Swiss GAAP FER informiert über Neuerungen und laufende Projekte (Fachmagazin «rechnungswesen & controlling»)
- 2026Leitfaden von Kubera Equity empfiehlt geprüfte Abschlüsse nach Swiss GAAP FER oder IFRS für den Verkauf eines Schweizer KMU