Finanzierung

Finanzierung für Schweizer KMU: Formen, Voraussetzungen und Kosten

99,7 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU, sie beschäftigen 66,4 Prozent der Erwerbstätigen und bilden damit das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft (Swiss Banking).

KMU als Rückgrat – und ihre Finanzierung als Knackpunkt

99,7 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU, sie beschäftigen 66,4 Prozent der Erwerbstätigen und bilden damit das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft (Swiss Banking). Umso mehr hängt davon ab, ob diese Betriebe für jedes Vorhaben und jede Unternehmensphase eine passende Finanzierung finden.

Ob ein Wirtschaftssystem produktiv bleibt, hängt wesentlich davon ab, wie adäquat der Produktionsfaktor Kapital eingesetzt wird. Zu den wichtigen Elementen der Standortförderungspolitik gehören ein optimaler Zugang zur Unternehmensfinanzierung und wettbewerbsfördernde Rahmenbedingungen für den Kapitalmarkt (kmu.admin.ch). Ziel der Standortförderung des Bundes ist ein attraktiver, leistungsfähiger und nachhaltiger Wirtschaftsstandort Schweiz, der insbesondere KMU und Arbeitnehmenden in allen Regionen der Schweiz gute Perspektiven bietet (Die Volkswirtschaft, 18.04.2023).

Der folgende Artikel ordnet die wichtigsten Finanzierungsformen ein: Er zeigt, worauf Banken bei einem Kreditgesuch achten, wie Sicherheiten und Rating die Konditionen beeinflussen und welche Bürgschafts- und Förderinstrumente von Bund und Kantonen zur Verfügung stehen. Zum Schluss geht es um die Kosten und Eigenleistungen, die ein KMU einplanen muss.

Wichtige Fakten zur Finanzierung von KMU in der Schweiz

  • Beschäftigte Anteil am Erwerbsleben66,4 %
  • Maximale Projektbeteiligung durch Innosuisse70 %
  • Höchstbetrag für Innoscheck15'000 Franken
  • Gesamtbudget Standortförderung 2024–2027ca. 429 Mio. Franken

Finanzierungsformen im Überblick: Bankkredit, Leasing, Förderbeitrag

In der Schweiz gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Traditionell weit verbreitet ist das Hausbank-Modell, das auf einer langjährigen Beziehung zwischen Bank und Kunde beruht. Für unterschiedliche Zwecke gehören Bankkredite zu den wichtigsten Instrumenten (Swiss Banking). Wo der klassische Kredit nicht reicht, lässt sich eine Finanzierungslücke auch mit Leasing abdecken; überschüssige Mittel können umgekehrt zur Kreditrückzahlung genutzt oder angelegt werden (Swiss Banking).

Ergänzend stehen öffentlich flankierte Instrumente bereit: Auf Bundesebene erleichtern das Bürgschaftswesen für KMU, die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) und der Technologiefonds die Aufnahme von Krediten. Auch Start-ups steht dieses Angebot offen. Zusätzlich führt der Bund Förderinstrumente wie Innosuisse, den SECO Start-up Fund oder Eurostars. Die Kantone besitzen die wirtschaftspolitische Kompetenz, eigene Finanzierungsprogramme einzurichten, und nutzen diese häufig (kmu.admin.ch).

Grobe Orientierung: Der Bankkredit eignet sich typischerweise für Investitionen und Betriebsmittel, Leasing für die Nutzung von Ausrüstung ohne Kauf, und Förderbeiträge für Innovations- und Entwicklungsvorhaben. In der Praxis kombiniert ein KMU meist mehrere dieser Wege; Eigenmittel bleiben in allen Varianten eine Voraussetzung.

Das Hausbank-Modell: langjährige Beziehung als Fundament

Für KMU lohnt es sich, die Beziehung zur Hausbank systematisch zu pflegen und nicht erst dann Kontakt aufzunehmen, wenn Kapital akut benötigt wird. Eine gewachsene Beziehung erleichtert der Bank die Einordnung des Unternehmens und seiner Vorhaben (Swiss Banking).

Für Firmenkunden bieten Banken ein abgerundetes Angebot an Dienstleistungen. Es reicht von Hilfeleistungen im Bereich des Zahlungsverkehrs über die Unternehmensfinanzierung bis hin zur Nachfolgeregelung und zu Vorsorgefragen (Swiss Banking). Die Hausbank kennt damit nicht nur den Kapitalbedarf, sondern auch die betrieblichen Zusammenhänge.

Wie offen ein Unternehmen kommuniziert, beeinflusst den Kreditentscheid: Je mehr Informationen der Bankpartner erhält, desto besser kann er die mit einem Kredit verbundenen Risiken beurteilen. Dies erleichtert der Bank den Kreditentscheid und kann unter Umständen zu besseren Konditionen führen (Swiss Banking).

Businessplan, Liquiditätsplanung und Checklisten

Über die Gewährung einer Finanzierung entscheidet nicht zuletzt der Businessplan. Er enthält wichtige Kennzahlen und dient als Mittel zur Kommunikation mit Geschäftspartnern, Investoren und der Bank (Swiss Banking). Ein Businessplan, der nur die Idee beschreibt, aber keine belastbaren Zahlen liefert, erschwert die Beurteilung.

Ebenso zentral ist die laufende Finanz- und Liquiditätsplanung. Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg setzt voraus, dass für jedes Vorhaben und jede Unternehmensphase die optimale Finanzierung gefunden wird; die Liquiditätsplanung verschafft Übersicht über die vorhandene und geplante Liquidität (Swiss Banking). Daraus lässt sich ableiten, wann welche Mittel benötigt werden und wo Lücken entstehen.

Bei der Einreichung hilft eine Checkliste: Fehlende Unterlagen kosten Zeit und Nerven, und eine schnelle, reibungslose Kreditabwicklung wünschen sich nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Bank (Swiss Banking). Vollständige Dossiers verkürzen den Prozess spürbar.

Sicherheiten und Rating: Risikokosten aktiv senken

Risikokosten lassen sich beeinflussen und reduzieren – beispielsweise durch die Einreichung von werthaltigen Sicherheiten, wie der Verpfändung von Wertschriften, Lebensversicherungsansprüchen oder Immobilien (Swiss Banking). Wer solche Werte einbringt, verbessert die Position gegenüber der Bank und kann günstigere Konditionen erreichen.

Auch das Rating ist beeinflussbar. Mit einer jährlichen Überprüfung der Bonitätsstufe geben Banken den KMU die Möglichkeit, ihr Kundenrating zu verbessern. Dank Businessplänen mit detaillierten Zahlen, Präsentationen anstehender Projekte sowie detaillierten Informationen zur aktuellen und zukünftigen Unternehmensentwicklung und zur strategischen Ausrichtung ist dies relativ einfach (Swiss Banking).

Die Kombination wirkt: Transparente Unterlagen, regelmässige Aktualisierung der Kennzahlen und werthaltige Sicherheiten senken aus Sicht der Bank das Risiko – und damit die Kosten der Finanzierung.

Bürgschaften: Kreditzugang mit staatlicher Flankierung

Der Zugang zu Bankkrediten ist nicht immer leicht. Der Bund unterstützt deshalb verschiedene Bürgschaftsgenossenschaften, die für KMU von Nutzen sind (kmu.admin.ch). Bürgschaften können dort helfen, wo ein Unternehmen die banküblichen Sicherheiten nicht vollständig stellen kann, das Vorhaben aber tragfähig ist.

Die Kantone ergänzen diese Ebene: Kantonale Wirtschaftsförderungen beraten Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bei der Suche nach kantonalen Förderinstrumenten, und das SECO führt eine Adressliste der Wirtschaftsförderungsstellen der Kantone (kmu.admin.ch). Ein Erstgespräch bei der zuständigen Stelle klärt, welche Instrumente im konkreten Fall greifen.

Innovationsvorhaben finanzieren: Projektbeiträge und Innoscheck

Innosuisse unterstützt wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte von jungen Unternehmen, damit diese ihre Produkte oder Dienstleistungen erstmals auf den Markt bringen können. Die Voraussetzungen sind laut ahead Zürich unter anderem: Der Markteintritt steht bevor – es werden noch keine marktreifen Produkte oder Services verkauft, Prototypen bei Pilotkunden gelten weiterhin als vor Markteintritt. Das Geschäftsmodell muss skalierbar sein und deutlich über ein lineares Wachstum hinausgehen, und das Projekt muss die Markteinführung durch schnelles Prototyping und Validierung vorbereiten.

Weitere Kriterien betreffen das Unternehmen selbst: Sitz in der Schweiz und Handelsregistereintrag, keine gemeinnützigen Vereine oder öffentlichen Verwaltungseinheiten; Alter höchstens fünf Jahre (in Ausnahmefällen bis zu zehn Jahre); weniger als 50 Vollzeitstellen, bei Mehrheitskontrolle durch ein anderes Unternehmen konsolidiert weniger als 250 Vollzeitstellen. Start-ups müssen mindestens 30 Prozent der Projektkosten selber finanzieren, Innosuisse trägt höchstens 70 Prozent. Verlangt werden zudem eine Analyse der Schutzrechte, keine parallele Förderung desselben Projekts, kein Eintrag auf der SECO-Sanktionsliste und die Einhaltung der wissenschaftlichen Integrität. Beurteilt werden die Projekte nach den Kriterien der Innosuisse-Förderverordnung (Art. 8).

Als niederschwelliger Einstieg dient der Innoscheck. Er richtet sich an KMU, Start-ups, Einzelunternehmen und Organisationen mit weniger als 250 Mitarbeitenden und ermöglicht die Zusammenarbeit mit einer Schweizer Forschungsinstitution. Gefördert wird eine Machbarkeits- oder Vorstudie zu einer neuartigen Idee, Produkt- oder Dienstleistungsinnovation; der Förderbetrag liegt bei bis zu 15'000 Franken und wird als Gutschrift an den Forschungspartner ausbezahlt, ein Forschungspartner ist obligatorisch (ahead Zürich).

Technologiefonds, SECO Start-up Fund und Eurostars

Neben Innosuisse führt der Bund weitere Instrumente. Der Technologiefonds des Bundes steht seit dem 1. November 2014 Unternehmen zur Verfügung, welche die definierten Kriterien erfüllen. Über den SECO Start-up Fund (SSF) ermöglicht das Staatssekretariat für Wirtschaft Schweizer Investorinnen und Investoren die Finanzierung von Start-ups in verschiedenen Regionen auf der ganzen Welt. Eurostars richtet sich an innovationsstarke kleine und mittlere Unternehmen, also an solche, die Prozesse oder Produkte entwickeln, die sich deutlich von ihrer bisherigen Aktivität unterscheiden (kmu.admin.ch).

Die Instrumente sprechen unterschiedliche Situationen an: technologieorientierte Vorhaben mit hohem Entwicklungsrisiko, international ausgerichtete Start-ups oder Forschungsvorhaben mit europäischer Dimension. Welches Instrument im Einzelfall passt, hängt von Reifegrad, Rechtsform und Projektinhalt ab; die konkreten Zugangsvoraussetzungen sind bei der jeweiligen Stelle zu prüfen.

Kantonale Programme und Steuererleichterungen für Randregionen

Die Kantone besitzen die wirtschaftspolitische Kompetenz, Finanzierungsprogramme zugunsten von Unternehmen einzurichten. Sie nutzen diese Kompetenz häufig und bieten eine grosse Vielfalt von Finanzierungsangeboten für Unternehmen und Start-ups an. Das SECO hat diese kantonalen Angebote im Rahmen einer Umfrage erhoben und im Bericht «Rasch wachsende Jungunternehmen in der Schweiz» vom 29. März 2017 aufgelistet (kmu.admin.ch).

Die kantonalen Wirtschaftsförderungen beraten Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer bei der Suche nach kantonalen Förderinstrumenten (kmu.admin.ch). Für Betriebe in Berggebieten, im ländlichen Raum oder in Grenzregionen kommen zudem Steuererleichterungen im Rahmen der Regionalpolitik in Frage (kmu.admin.ch).

Auf Bundesebene ist die Standortförderung mittelfristig finanziell unterlegt: Die Botschaft zur Standortförderung 2024–2027 hat der Bundesrat im Januar an das Parlament überwiesen und beantragt darin Mittel von knapp 429 Millionen Franken, hinzu kommen Einlagen in den Fonds für Regionalentwicklung in den Jahren 2024–2031 von 217 Millionen Franken; über die Vorlage entscheidet das Parlament (Die Volkswirtschaft, 18.04.2023).

Kosten und Eigenleistung: Was KMU einplanen müssen

Die Eigenleistung ist ein zentraler Kostenfaktor. Bei Förderprogrammen bleibt ein Teil der Projektkosten beim Unternehmen; die genauen Quoten und Auszahlungsmodalitäten sind in den jeweiligen Programmbedingungen festgelegt (ahead Zürich).

Realistisch ist ein Finanzierungsmix aus eigenen Mitteln, Bankkredit oder Leasing und – wo die Voraussetzungen erfüllt sind – Förderbeiträgen von Bund und Kantonen. Die Grundlage dafür bleibt eine laufende Finanz- und Liquiditätsplanung sowie ein Businessplan mit belastbaren Kennzahlen (Swiss Banking).

Quellen

  1. kmu.admin.ch/de/staatliche-unterstuetzung-bei-der-finanzierung
  2. kmu.admin.ch/de/kmu-foerderung-von-institutionen
  3. swissbanking.ch/de/finanzplatz/informationen-fuer-kunden/information…
  4. ahead-zh.ch/foerder-und-finanzierungsmoeglichkeiten-fuer-start-u…
  5. dievolkswirtschaft.ch/de/2023/04/der-bund-unterstuetzt-eine-innovative-und…
  6. dserver.bundestag.de/brd/2026/0530-26.pdf
  7. kmuverband.ch/FoerderungProjekte
  8. ir.patrizia.ag/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.ey…