Finanzierung

Factoring für Schweizer KMU: Ablauf, Kosten und Kriterien

Beim Factoring überträgt ein Unternehmen seine Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen an einen Factor.

Factoring für Schweizer KMU: Was dahinter steckt

Beim Factoring überträgt ein Unternehmen seine Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen an einen Factor. Dieser zahlt die Debitoren sofort ganz oder teilweise aus und übernimmt das Inkasso; meist kommen Debitoren- und Kreditrisikomanagement hinzu. Für das KMU entfällt damit die Wartezeit nach der Rechnungsstellung, ohne dass es einen Kredit aufnehmen muss.

Factoring ist vom reinen Inkasso abzugrenzen: Inkasso zielt nur auf das Eintreiben überfälliger Forderungen. Die Forderungen werden nicht gekauft, es wird lediglich das Mahnwesen übernommen. Factoringunternehmen bieten Inkasso zwar häufig an, doch ist es nur ein Teil ihres Portfolios. Beim Factoring dagegen verkauft oder überträgt das Unternehmen die Forderung selbst und erhält den Rechnungsbetrag abzüglich einer Gebühr.

Ablauf: In drei Schritten von der Rechnung zur Liquidität

Der Factoring-Prozess verläuft in drei Schritten: Das Unternehmen liefert Produkte oder Dienstleistungen an seine Kundschaft und stellt die Rechnung zu. Der Factor erhält eine Rechnungskopie. Er bezahlt dem Unternehmen sofort bis zu 100 Prozent des Rechnungsbetrags. Der Debitor begleicht die Rechnung direkt beim Factor.

Je nach Modell fällt der Vorschuss tiefer aus: Bei vielen Lösungen beträgt er rund 80 Prozent des Forderungsbetrags. Es handelt sich also um einen Vorschuss, nicht um die vollständige Abgeltung der Forderung. Rechnungserstellung und -versand bleiben in der Regel beim Unternehmen; der Factor nutzt die Rechnungskopie als Grundlage für die Bevorschussung.

Die Rollen sind klar verteilt: Das KMU liefert und fakturiert, der Factor bevorschusst und zieht ein, der Debitor zahlt an den Factor statt an das KMU. Beim Full-Service-Factoring übernimmt der Factor zusätzlich Zahlungsaufforderung und Mahnwesen bis zum Inkasso.

Echtes und unechtes Factoring: Wer trägt das Delkredererisiko?

In der Schweiz wird zwischen echtem und unechtem Factoring unterschieden. Beim echten Factoring geht das Risiko des Forderungsausfalls – das Delkredererisiko – an den Factor über. Der Factor leistet auch bei Insolvenzfällen auf Kundenseite. Beim unechten Factoring verbleibt das Ausfallrisiko beim Lieferanten.

Die Wahl entscheidet, ob Factoring nur Finanzierung oder auch Risikoabsicherung ist. Beim echten Factoring sinkt das Ausfallrisiko des KMU, beim unechten trägt es die Ausfälle weiterhin selbst, während die Factoringgebühr in jedem Fall anfällt. Für die Liquiditätsplanung ist der Vorschuss in beiden Varianten planbar; die Risikoposition unterscheidet sich jedoch deutlich und sollte in der Vertragsgestaltung – insbesondere bei Haftungs- und Rückgriffsklauseln – abgebildet sein.

Beim echten Factoring prüft der Factor die Bonität der Endabnehmer umfassend, aber diskret, um sein Risiko zu minimieren. Beim unechten Factoring ist dieser Anreiz geringer, weil ein Ausfall beim Lieferanten hängen bleibt; die Bonitätsprüfung als Kostenposition – eine pauschale Entschädigung des Factors – fällt in beiden Modellen an.

Echtes vs. unechtes Factoring: Risikoverteilung im Überblick

Delkredererisiko
Übertragen auf den Factor
Ausfallrisiko bei Insolvenz
Der Factor trägt das Risiko
Risikotragung
Beim Lieferanten verbleibend
Vorteil für KMU
Reduziertes Ausfallrisiko
Kosten für Bonitätsprüfung
Pauschal entlohnt, auch beim unechten Factoring

Die drei Bausteine: Finanzierung, Debitorenmanagement, Absicherung

Eine Factoring-Lösung besteht aus drei Komponenten. Debitorenfinanzierung: Der Factor übernimmt die Forderungen und leistet einen Vorschuss, der in der Regel rund 80 Prozent des Forderungsbetrags ausmacht. Debitorenmanagement: Der Factor verwaltet die Debitorenbuchhaltung einschliesslich Mahnwesen und Inkasso; Erstellen und Versand der Rechnungen bleiben beim Unternehmen. Debitorenabsicherung: Über eine externe Kreditversicherung reduziert der Factor das Ausfallrisiko, wovon das Unternehmen durch sicherere Zahlungseingänge profitiert.

Ausgelagert werden können das Mahnwesen und die Überwachung der Geldeingänge, was Zeit, Mühe und Kosten spart. Beim Full-Service-Factoring werden mehrere dieser Bausteine gebündelt: Der Anbieter übernimmt von der Zahlungsaufforderung bis zum Mahnwesen alles. Wer nur einen Teil braucht, wählt eine reine Finanzierungslösung mit Bevorschussung und behält Rechnungsstellung, Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen im Haus.

Kosten: Gebühren, Vorschuss und der Vergleich mit eigenem Debitorenmanagement

Der Factor verlangt 0,5 bis 2,0 Prozent des angekauften Forderungsbestands. Diese Prozentzahlen beziehen sich typischerweise auf einen Monat, was pro Jahr Kosten von 6 bis 24 Prozent ergibt. Zusätzlich entschädigt das Unternehmen den Factor pauschal für die Bonitätsprüfung der Debitoren.

Die Rechenlogik: Die Jahresbelastung entspricht dem Monatssatz multipliziert mit zwölf – 0,5 Prozent pro Monat ergeben 6 Prozent pro Jahr, 2,0 Prozent pro Monat 24 Prozent. Massgebend sind der angekaufte Forderungsbestand und die Dauer, während der eine Forderung offen bleibt: Je länger eine Rechnung ausstehend ist, desto mehr Monatsperioden fallen an.

Diesen Kosten stehen die eigenen Aufwände für Debitorenmanagement, Inkasso und Debitorenbuchhaltung gegenüber. Können diese internen Kosten im Ausmass der Factoringkosten reduziert werden, lohnt sich Factoring. Der Schweizerische Factoringverband hält fest, dass die Gebühren durch die realisierten Kosteneinsparungen in der Regel mehr als wettgemacht werden. Für den Vergleich sind die eigenen Stellenprozente, Mahnaufwände und Ausfälle den Gebühren des Factors gegenüberzustellen.

Kosten und Gebühren im Schweizer Factoring

Typische Vorschussquote
ca. 80 % des Rechnungsbetrags
Pauschale Entschädigung
Für Bonitätsprüfung der Debitoren

Für welche KMU eignet sich Factoring?

Zur Zielgruppe gehören junge oder schnell wachsende Unternehmen mit geringer Kapitalbasis, Firmen mit exportorientierter Geschäftstätigkeit, Unternehmen mit soliden und werthaltigen Forderungen sowie Betriebe mit Liquiditätsbedarf für Wachstumsfinanzierung. Dazu kommen Firmen, die das zeitintensive Debitorenmanagement auslagern möchten – in vielen KMU fehlt es an Zeit und Personal, um Rechnungen gleich nach Auftragsabschluss zu stellen.

Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Die Leistung auf der Rechnung muss erbracht sein, und die Forderung muss grundsätzlich werthaltig sein. Factoring setzt also abgeschlossene Lieferungen oder Dienstleistungen voraus, nicht blosse Aufträge oder künftige Ansprüche.

Einführung in der Praxis: Bedarf klären, Factor auswählen, Konditionen verhandeln

Der Einstieg verläuft in vier Schritten. Erstens die Bedarfsanalyse: Liquiditätsbedarf ermitteln und aktuelle Debitorensituation prüfen. Zweitens die Auswahl des Factors: Passende Factoring-Partner identifizieren und Angebote hinsichtlich Kosten und Leistungen vergleichen. Drittens die Konditionsverhandlungen: Verhandelt werden insbesondere Vorschussquote, Gebühren und Dienstleistungen. Viertens Implementierung und Betreuung: Die Einrichtung des Factoring-Prozesses begleiten und sicherstellen, dass die Vertragsbedingungen korrekt umgesetzt werden.

Die Wahl des Modells hängt vom Bedarf ab: echtes oder unechtes Factoring, je nachdem, wer das Delkredererisiko tragen soll, und Full-Service oder reine Finanzierung, je nachdem, ob das Debitorenmanagement im Haus bleibt oder ausgelagert wird. Beim Vergleich der Angebote sind deshalb nicht nur die Prozentgebühren, sondern auch die pauschale Entschädigung für die Bonitätsprüfung und der Umfang der übernommenen Dienstleistungen zu erfassen.

Fazit: Wann Factoring für Schweizer KMU Sinn ergibt

Factoring wandelt Debitoren in flüssige Mittel um: Mit der Vorfinanzierung durch den Factor ist jede Rechnung sofort bezahlt, was gerade kleineren Unternehmen eine deutlich bessere Liquidität verschafft. Beim echten Factoring kommt der Schutz vor Debitorenverlusten hinzu, weil der Factor das Ausfallrisiko übernimmt. Die Abtretung verringert zudem die Forderungen auf der Aktivseite und die Verbindlichkeiten auf der Passivseite und verbessert damit die Bilanzkennzahlen.

Weitere Effekte: Das gesamte Debitorenmanagement mit Mahnungen und Überwachung der Geldeingänge kann ausgelagert werden, was Zeit, Mühe und Kosten spart. Weil der Factor die Rechnung zeitnah begleicht, können der Kundschaft längere Zahlungsziele eingeräumt und gleichzeitig die eigenen Kreditoren schneller bezahlt werden, wodurch Skonti besser genutzt werden können. Ausgestellte Rechnungen sind bezahlte Rechnungen, was planbares und finanziell abgesichertes Wachstum ermöglicht.

Auf der Kostenseite stehen 0,5 bis 2,0 Prozent des angekauften Forderungsbestands pro Monat, also 6 bis 24 Prozent pro Jahr, zuzüglich einer allfälligen pauschalen Entschädigung für die Bonitätsprüfung. Beim unechten Factoring verbleibt das Ausfallrisiko zusätzlich beim Unternehmen. Die Entscheidung fällt daher über den Vergleich dieser Kosten mit den internen Aufwänden für Debitorenmanagement, Inkasso und Debitorenbuchhaltung sowie über die Frage, ob das Delkredererisiko übertragen werden soll.

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