Finanzierung

Crowdfunding für Schweizer Unternehmen: Formen, Voraussetzungen und Kosten

Schwarmfinanzierung – Crowdfunding – sammelt Geld von einer Vielzahl von Kapitalgebern für Projekte beliebiger Art; der einzelne Geldgeber investiert oft nur einen kleinen Betrag (MLL News).

Crowdfunding als direkte Finanzierung für Schweizer KMU und Start-ups

Schwarmfinanzierung – Crowdfunding – sammelt Geld von einer Vielzahl von Kapitalgebern für Projekte beliebiger Art; der einzelne Geldgeber investiert oft nur einen kleinen Betrag (MLL News). Die Mobilisierung läuft in der Regel über Internetplattformen, die Projektplaner mit finanziellen Unterstützern, meist Privatpersonen, in Kontakt bringen (kmu.admin.ch). Anders als bei übrigen Finanzierungsarten gibt es keinen Intermediär (kmu.admin.ch): Der Kredit wird direkt vom Investor an den Kreditnehmer gewährt, Banken sind nicht finanziell beteiligt (MLL News). Bietet eine Bank Leistungen im Zusammenhang mit Crowdfunding an, ist das kein klassischer Bankkredit, sondern das Zurverfügungstellen von Plattformen und Marktplätzen, die Geldgeber und Geldnehmer zusammenführen (MLL News). Typischerweise sind drei Parteien beteiligt: Plattform, Kapitalgeber und Geldnehmer (MLL News).

Für den Schweizer Markt liegen belastbare Volumenzahlen vor: 2015 wurden für 1'342 Kampagnen CHF 27,3 Millionen gesammelt, 73 Prozent mehr als im Geschäftsjahr 2014; zwischen 2011 und 2015 haben sich die bereitgestellten Summen verneunfacht (Bericht Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016 der Hochschule Luzern, zitiert von kmu.admin.ch). 2015 stellten in der Schweiz nicht weniger als 90'000 Bürgerinnen und Bürger über eine Crowdfunding-Plattform Geld als Spende oder Darlehen zur Verfügung (kmu.admin.ch). Die Zahl der Plattformen wuchs von 14 im Jahr 2013 auf doppelt so viele 2014 und rund 40 im April 2016 (kmu.admin.ch); ein Vergleich von lokalhelden.ch nennt 2025 ebenfalls rund 40 Schweizer Crowdfunding-Plattformen.

Unternehmen können so Kapital ohne traditionelle Kreditgeber beschaffen (kmu.admin.ch); dafür verteilt sich die Finanzierung auf viele kleine Beiträge, und die Projektkommunikation läuft öffentlich über die Plattform (MLL News).

Entwicklung des Schweizer Crowdfunding-Marktes (2011–2015)

  • 2011–2015: VolumenzunahmeVerneunfachung der bereitgestellten Summen
  • 2015: Gesammelte SummeCHF 27,3 Millionen
  • 2015: Anzahl Unterstützer90'000 Bürgerinnen und Bürger
  • 2015: Anzahl Kampagnen1'342

Die vier Grundformen und ihre Gegenleistung

Das Unterscheidungsmerkmal der einzelnen Kategorien ist die Gegenleistung, welche der Geldgeber für seine Investition erhält (MLL News). Daraus ergeben sich vier Grundformen. Beim Crowddonating wird das Geld gespendet oder geschenkt, der Geldgeber erhält keine Gegenleistung – etwa bei einer Spende für humanitäre Projekte (MLL News, kmu.admin.ch). Beim Crowdsupporting erhalten die Kapitalgeber eine einmalige Gegenleistung, beispielsweise ein Konzertticket oder ein Album (MLL News). Beim Crowdlending werden Darlehen vermittelt: Unterstützer leihen Unternehmen oder Privatpersonen Geld und erhalten es später mit Zinsen zurück, der Darlehensgeber erhält also eine Rendite (MLL News, kmu.admin.ch). Beim Crowdinvesting erhalten Investoren eine Beteiligung an der Unternehmung in Form von Stammanteilen oder Aktien (MLL News); das Modell funktioniert im Tausch gegen einen Firmenanteil oder eine Gewinnbeteiligung und umfasst auch Beteiligungen an Immobilien mit Gewinnbeteiligung oder Zinsen (kmu.admin.ch, weka.ch).

Neben diesen vier Formen nennt weka.ch das Invoice Trading als weiteres Modell im Crowdfunding-Spektrum. Es ist keine Beteiligung und kein Darlehen an das Unternehmen selbst, sondern die Vorfinanzierung offener Rechnungen durch Investoren – ein Instrument der Liquiditätsbeschaffung, das nach anderen Kriterien beurteilt wird als Spenden, Belohnungen oder Beteiligungen.

Vergleich der vier Crowdfunding-Formen nach Gegenleistung und Anwendungsbereich

Crowddonating
Keine Gegenleistung; Spenden für gemeinnützige Projekte
Crowdsupporting
Einmalige Gegenleistung (z. B. Ticket, Album)
Crowdlending
Darlehen mit Zinsrückzahlung; geeignet für KMU ohne Bankkredit
Crowdinvesting
Beteiligung an Unternehmen (Anteile, Gewinnbeteiligung); auch für Immobilienfinanzierung nutzbar

Welche Form zu welchem Finanzierungsbedarf passt

Entscheidend ist zuerst, welche Gegenleistung das Unternehmen überhaupt anbieten kann und will. Wer keine Rendite und keine Beteiligung geben kann oder will, bleibt bei Crowddonating oder Crowdsupporting. Beide richten sich an gemeinnützige, kulturelle, soziale oder andere non-kommerzielle Projektideen: lokalhelden.ch richtet sich an Vereine, Organisationen, Personengesellschaften und Privatpersonen mit gemeinnützigen oder non-kommerziellen Projektideen in der Schweiz, wemakeit.ch an Einzelpersonen, Jungkonzerne und Organisationen, Crowdify bedient kulturelle Kampagnen sowie Start-ups (lokalhelden.ch).

Crowdlending passt zu KMU und Einzelunternehmen, die Fremdkapital ohne Bank suchen. Cashare, 2008 die erste Schweizer Crowdlending-Plattform, bringt Einzelunternehmen und KMU mit Anlegern und Darlehensgebern zusammen; Swisspeers erlaubt Unternehmen, bei Anlegern direkt – ohne Zwischenschaltung eines Finanzinstituts – Fremdkapital zu beschaffen, und bietet privaten wie körperschaftlichen Anlegern Direktinvestitionen in kleine und mittlere Unternehmen (lokalhelden.ch).

Crowdinvesting passt zu Start-ups und Unternehmen, die Eigenkapital oder Beteiligungen anbieten können; C-Crowd ist eine Crowdinvesting-Plattform und richtet sich an innovative Start-ups (lokalhelden.ch). Weil dieses Modell auch Beteiligungen an Immobilien mit Gewinnbeteiligung oder Zinsen umfasst (weka.ch), ist es zusätzlich für Projekt- und Immobilienfinanzierungen nutzbar, bei denen ein Anteil oder eine Gewinnbeteiligung denkbar ist. Das Kriterium bleibt in allen Fällen dasselbe: Form wählen, deren Gegenleistung das Unternehmen rechtlich und wirtschaftlich tatsächlich liefern kann.

Voraussetzungen: Projekt, Reichweite und Community

Crowdfunding setzt eine klare, öffentlich erklärbare Projektidee voraus, denn Kommunikation über das Projekt und Geldvermittlung laufen in der Regel über Online-Plattformen (MLL News). Der Prozess läuft vollständig online und erfordert intensives Marketing über Social-Media-Kanäle (weka.ch). Wer die Kampagne nicht während Wochen aktiv bewerben will, kann die Mechanik nicht nutzen.

Zweite Voraussetzung ist die Fähigkeit, viele Unterstützer mit kleinen Beträgen zu mobilisieren (kmu.admin.ch). Das gelingt nur mit vorhandener oder vorab aufgebauter Reichweite: wemakeit.ch ist viersprachig und bietet damit hohe Reichweite und ein gutes Netzwerk, Crowdify stützt sich auf die Nennung in einem bestehenden Newsletter (lokalhelden.ch). Vor dem Start ist deshalb zu prüfen, wie viele Personen über eigene Kanäle, Mitglieder, Kundschaft oder Medien tatsächlich erreichbar sind.

Dritte Voraussetzung ist eine Funding-Schwelle: Eine Finanzierung ist nur erfolgreich, wenn die festgelegte Schwelle erreicht wird (weka.ch). Die Zielsumme muss daher realistisch aus der erreichbaren Community abgeleitet werden, nicht aus dem Finanzbedarf allein.

Vierte Voraussetzung ist die Passung zur Plattform, deren Zielgruppe je nach Anbieter unterschiedlich ist: Vereine und Organisationen mit non-kommerziellen Ideen, Start-ups, Kulturprojekte oder KMU mit Fremdkapitalbedarf (lokalhelden.ch). Je nach Art und Ausgestaltung des Vorhabens ergibt sich der regulatorische Rahmen aus der bestehenden Finanzmarktgesetzgebung; in der Schweiz gibt es keine Gesetzgebung, die sich explizit mit Crowdfunding befasst, weshalb jedes Geschäftsmodell individuell auf eine allfällige Bewilligungspflicht abgeklärt werden muss (MLL News). Der Bundesrat hat 2015 abgelehnt, spezielle Rahmenbedingungen für das Crowdfunding auszuarbeiten (Stellungnahme vom 6. März 2015 auf die Motion Fathi, zitiert in MLL News).

Kosten und Aufwand: Gebühren, Marketing und Kampagnenführung

Die direkten Plattformgebühren unterscheiden sich je nach Modell und Anbieter, und einzelne Plattformen verlangen gar keine Gebühren: lokalhelden.ch ist laut eigener Darstellung gratis für alle verfügbar und verlangt keine Gebühren (lokalhelden.ch). Bei der Auswahl sollten die konkreten Konditionen der infrage kommenden Plattform direkt verglichen werden – Gebührenhöhe, Bemessungsgrundlage, Fälligkeit und die Frage, ob bei Nichterreichen der Funding-Schwelle Kosten anfallen.

Neben den Plattformgebühren stehen indirekte Kosten, die im Budget oft unterschätzt werden: Aufwand für Kampagnenmarketing und Community-Aufbau, Projektkommunikation und die Erstellung der Gegenleistungen (etwa Konzertticket oder Album, MLL News) sowie der für die Kampagne nötigen Unterlagen. Hinzu kommt der Zeitaufwand für die laufende Betreuung der Kampagne über Social-Media-Kanäle, die weka.ch als Voraussetzung nennt.

Bei Crowdlending und Crowdinvesting entstehen zusätzlich die Kosten der Kapitalüberlassung selbst: Der Darlehensgeber erhält eine Rendite (MLL News), die Investoren erhalten im Erfolgsfall Renditen oder Gegenleistungen (weka.ch). Diese Positionen sind in die Finanzplanung einzurechnen, ebenso allfällige Beratungs- und Prüfkosten, wenn das Modell rechtlich abgeklärt werden muss (MLL News). Umgekehrt können Förderbeiträge die Rechnung entlasten: Bei lokalhelden.ch unterstützt die lokale Raiffeisenbank ausgewählte Projekte finanziell, und Schweizer Skinachwuchs-Projekte erhalten bis zu 2000 Franken aus der Raiffeisen Nachwuchsaktion (lokalhelden.ch).

Risiken und Grenzen der Schwarmfinanzierung

Das zentrale Risiko für das Unternehmen ist die Funding-Schwelle: Die Finanzierung ist nur erfolgreich, wenn die festgelegte Schwelle erreicht wird (weka.ch). Wird sie verfehlt, steht das benötigte Kapital nicht zur Verfügung – der Aufwand für die Kampagne ist dennoch angefallen.

Die Kampagne hängt vollständig von Reichweite und Kommunikation ab. Der Prozess läuft online und erfordert intensives Marketing über Social-Media-Kanäle (weka.ch); Projekte ohne überzeugende, mobilisierbare Community erreichen die Schwelle kaum. Rund 40 Plattformen in der Schweiz konkurrieren um dieselbe Aufmerksamkeit (lokalhelden.ch), was die Anforderung an die Kommunikation zusätzlich erhöht.

Auf der Seite der Kapitalgeber besteht bei Crowdinvesting und Crowdlending ein Verlustrisiko: Investoren tragen das Risiko eines Totalverlusts, erhalten aber im Erfolgsfall Renditen oder Gegenleistungen (weka.ch). Unternehmen, die solche Modelle nutzen, müssen mit dieser Erwartungshaltung umgehen und ihre Informationspflichten ernst nehmen.

Grenzen hat das Instrument dort, wo keine klare Projektidee, kein ansprechbares Publikum oder keine darstellbare Gegenleistung vorhanden ist, sowie dort, wo die Ausgestaltung eine Bewilligungspflicht auslöst (MLL News).

Vorteile und Risiken von Crowdfunding für Schweizer Unternehmen

  • VorteileDirekte Kapitalbeschaffung ohne Bank; hohe Sichtbarkeit durch Online-Plattformen; Unterstützung durch lokale Förderprogramme (z. B. Raiffeisen Nachwuchsaktion)
  • RisikenNichterreichen der Funding-Schwelle führt zu keinem Kapital; hoher Aufwand für Marketing und Kommunikation; Verlustrisiko für Investoren bei Crowdinvesting und Crowdlending

In sieben Schritten zur Crowdfunding-Kampagne

  1. Finanzierungsform und Zielsumme festlegenBestimmen Sie anhand der möglichen Gegenleistung, ob Crowddonating (keine Gegenleistung), Crowdsupporting (einmalige Belohnung), Crowdlending (Darlehen mit Zinsen) oder Crowdinvesting (Anteil oder Gewinnbeteiligung) infrage kommt, und leiten Sie daraus die Zielsumme ab (MLL News, kmu.admin.ch). 2. Plattformtyp wählen: Vergleichen Sie Anbieter nach Zielgruppe, Sprachen und Reichweite sowie nach Gebühren – lokalhelden.ch verlangt keine Gebühren, wemakeit.ch ist viersprachig, Cashare und Swisspeers bedienen Crowdlending, C-Crowd das Crowdinvesting (lokalhelden.ch).
  2. Projekt und Gegenleistung ausarbeitenBeschreiben Sie das Vorhaben öffentlich verständlich und legen Sie fest, was Unterstützer konkret erhalten – vom Konzertticket über das Album bis zum Firmenanteil oder Zins (MLL News). 4. Community vorab aufbauen: Aktivieren Sie Mitglieder, Kundschaft, Netzwerk und Medienkontakte, bevor die Kampagne startet, denn die Mobilisierung erfolgt über die Plattform, die Reichweite muss aber aus dem eigenen Umfeld kommen (kmu.admin.ch, weka.ch). 5. Funding-Schwelle definieren: Legen Sie eine Zielsumme fest, die aus der erreichbaren Community realistisch erreichbar ist, da nur bei Erreichen der Schwelle finanziert wird (weka.ch). 6. Kampagne über Social Media führen: Betreiben Sie während der gesamten Laufzeit intensives Marketing über Social-Media-Kanäle und kommunizieren Sie Zwischenstände (weka.ch). 7. Nach Abschluss informieren und binden: Bedienen Sie die zugesagten Gegenleistungen, informieren Sie die Unterstützer über das Ergebnis und halten Sie den Kontakt für spätere Finanzierungsrunden oder Projekte.

Sieben Schritte zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne

  1. 1. Finanzierungsform und Zielsumme festlegenAuswahl basierend auf möglicher Gegenleistung; Zielsumme aus erreichbarer Community ableiten
  2. 2. Plattformtyp wählenVergleich nach Zielgruppe, Sprachen und Gebühren; z. B. lokalhelden.ch (kostenlos), wemakeit.ch (viersprachig)
  3. 3. Projekt und Gegenleistung ausarbeitenKlare, öffentliche Beschreibung des Vorhabens und Festlegung der Gegenleistung
  4. 4. Community vorab aufbauenAktivierung von Mitgliedern, Kundschaft und Netzwerk vor Kampagnenstart
  5. 5. Funding-Schwelle definierenRealistische Zielsumme basierend auf erreichbarer Reichweite
  6. 6. Kampagne über Social Media führenIntensives Marketing während der gesamten Laufzeit mit Zwischenständen
  7. 7. Nach Abschluss informieren und bindenZugesagte Gegenleistungen erbringen und Unterstützer über Ergebnis informieren

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